Eisspeedway-GP: Koltakov Richtung Titel

Wie am Samstag gewann Dmitri Koltakov auch den Grand Prix 8 zur Eisspeedway-WM 2017. Am Sonntag, dem 5. März, setzte sich der 26-jährige Russe beim 44. Eisspeedway Berlin gegen seine Landsmänner Igor Kononov und Dmitri Khomitsevich durch. Als bester Deutscher kam Günther Bauer auf Rang acht. Während der WM-Permanentstarter Max Niedermaier vom Team Eisspeedwayunion Berlin mit Platz elf vorliebnehmen musste, durfte sich sein Teamkollege, der vom Speedway kommende Eisspeedway-Neuling Tobias Busch, als Reservist über seinen ersten WM-(Kurz-)Einsatz sowie auch gleich seinen ersten WM-Punkt freuen.

Die noch einmal rund 3.500 Gäste des achten von zehn Läufen zur Eisspeedway-Einzelweltmeisterschaft 2017 sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn neben einem tollen und unterhaltsamen Rahmenprogramm wurde den Fans, wie an den Tagen zuvor des viertägigen Eisspeedway-Festes, Motorsport vom Feinsten geboten. Vor allem die russischen Spike-Ritter zeigten ihr ganzes Können. Das mussten sie auch, denn die fünf Fahrer auf nahezu gleichem Niveau, die meist die Podestplätze unter sich ausmachen, verteilen auf der Bahn keine Geschenke. Das zeigte vor allem das heutige Finale. Hierbei übernahm der schlecht gestartete WM-Zweite Igor Kononov ausgangs der ersten Kurve mit einem Wahnsinnsmanöver die Führung. Der WM-Spitzenreiter lag zunächst nur auf dem vierten Rang, rückte aber bald auf Platz drei hinter Dmitri Khomitsevich vor. Während er diesen noch relativ leicht überholen konnte, schien Igor Kononov einem sicheren Sieg entgegen zu fahren. Nachdem der WM-Rookie Dinar Valeev praktisch schon gestürzt war, mit einer artistischen Einlage das Mototrrad aber irgendwie wieder in die Senkrechte hievte und weiterfuhr, machten die drei „K´s“ die Podiumsplätze unter sich aus. In der letzten Kurve ritt Dmitri Koltakov die entscheidende Attacke und gewann überraschend doch noch. Er meinte anschließend: „Das Eis war schon ziemlich kaputt, so dass ich eher Motocross als Eisspeedway gefahren bin. Ich freue mich natürlich, dass ich nach meinem Maximum-Sieg gestern gleich noch einmal gewinnen konnte. Heute habe ich zwar einen Punkt abgegeben, aber da das gegen Dmitri Khomitsevich war, ist das nicht so schlimm. Mein Hauptkonkurrent im Kampf um den Titel ist und bleibt Igor Kononov. Zwar habe ich nun ein kleines Punktepolster, aber das reicht nicht, um bei den letzten beiden Rennen zu taktieren. Ich werde wieder voll auf Angriff fahren, denn Angriff ist die beste Verteidigung.“

Nachdem Igor Kononov mit zwei Punkten Rückstand auf Dmitri Koltakov angereist ist, verlor der Zweitplatzierte von gestern und heute weitere drei Zähler und hat nun die Aufgabe, bei den letzten beiden Rennen einen Acht-Punkte-Rückstand aufzuholen. Dennoch sah er das Ganze sachlich nüchtern und erwies sich als fairer Sportsmann. „Dmitri ist gestern und heute schon sehr stark gefahren. Heute war ich im Finale schon so dicht dran, meinen fünften Saisonsieg einzufahren, aber die Rennen hier in Berlin waren sehr anstrengend und kräfteraubend. Die Bahn hatte am Ende schon arg gelitten, und wenn man selbst etwas kaputt ist, reicht das halt manchmal nicht bis ins Ziel. Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich einige Punkte eingebüßt habe, aber aufgeben tue ich deswegen noch lange nicht“, so der drei Jahre ältere Kononov.

Nachdem er gestern das angesichts der Dominanz russischer Fahrer maximal realistische Ziel, Einzug ins Halbfinale, verpasst hatte, rückte der beste deutsche Eisspeedway-Pilot der letzten Jahre, Günther Bauer, das Bild heute wieder zurecht. „Mit dem Ende des Wochenendes bin ich schon zufrieden, denn heute hat es von der Platzierung her gepasst. Dabei habe ich mich gestern eigentlich sogar komfortabler gefühlt, hatte aber in dem einen oder anderen Lauf ein bisschen Pech“, lautete sein Resümee.


Rein russisches Podium mit (von Links) Igor Kononov, Dmitri Koltakov und Dmitri Khomitsevitch         Foto: Horn

Seinen ersten Einzug in ein Halbfinale war am Vortag noch Hans Weber gelungen, doch am Sonntag lief beim „Eishans“ überhaupt nichts zusammen. Er erklärte dazu: „Irgendwie habe ich mir wohl gestern einen Dämpferschaden eingehandelt. Wir haben uns heute während des Rennens hier und da einen Ersatzdämpfer geborgt, was aber alles nicht funktioniert hat. Am Ende hatte ich noch einen Felgendefekt, so dass wir weiter alles Mögliche hin und her gebaut haben. Leider konnten wir das Problem nicht lösen, so dass ich vorzeitig aufhören musste.“

Max Niedermaier hatte sich, beflügelt von seinem DM-Titelgewinn am Donnerstag, das Erreichen des Halbfinales zum Ziel für die beiden WM-Tage gesetzt, dieses aber mit Platz elf heute wieder verfehlt. „Was ich gestern an Glück hatte, hatte ich heute an Pech. Der Tiefpunkt war dann der Sturz in meinem letzten Lauf. Aber das wird jetzt abgehakt und beim nächsten Mal wieder angegriffen. Insgesamt habe ich trotzdem das Gefühl, dass ich fahrerisch in diesem Jahr stärker geworden bin, und den DM-Titel kann mir eh keiner mehr nehmen“, so der Edlinger vom Team Eisspeedwayunion Berlin.

Dessen Teamkollege Tobias Busch landete in seiner ersten Eisspeedway-Saison am Donnerstag bei der DM, die einerseits traditionell, andererseits aber leider ausschließlich im Horst-Dohm-Eisstadion Berlin-Wilmersdorf ausgefahren wird, sensationell auf dem vierten Platz und war neben dem DM-Dritten Markus Jell die zweite Bahnreserve. Nachdem am Samstag alles planmäßig lief, kam der Norddeutsche heute zu seinem ersten WM-Einsatz und errang dabei sogar einen Punkt. Er sagte danach: „Nur für den einen Lauf hinauszugehen war schon schwierig, zumal zu diesem Zeitpunkt das Eis schon ziemlich tiefe Rillen hatte. Als Positives nehme ich neben dem vierten Rang bei der DM mit, dass ich in Sachen Fahrwerksabstimmung schon viel gelernt habe. Für die heutigen Verhältnisse habe ich das Motorrad zu weich eingestellt, aber das gehört zum Lernprozess. Dafür habe ich aber noch das Beste daraus gemacht und sogar einen Punkt geholt.“

Ein positives Fazit zogen auch die Veranstaltungschefs Olaf Ehre und Bernd Sagert, ihres Zeichens 1. bzw. 2. Vorsitzender der gastgebenden Eisspeedwayunion Berlin, die Mitglied in ADMV und in DMV ist. Sie meinten unisono: „Mit unserer erst vierten Veranstaltung und der Resonanz darauf sind wir mehr als zufrieden, was nicht heißt, dass wir uns darauf ausruhen. Wir haben noch einige Ideen, wie wir den Event-Charakter des Berliner Eisspeedways weiter verstärken können. Wir wollen, dass sich unsere Gäste gut unterhalten fühlen und immer wieder gern zu uns kommen. Wichtig ist uns auch, dass wir viel starke Partner, Sponsoren und nicht zuletzt fleißige Helfer an unserer Seite wissen. Ihnen gebührt an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön. Wir freuen uns jetzt schon auf das erste März-Wochenende 2018, wenn wir das 45. Eisspeedway Berlin hier austragen werden. Die gedanklichen Vorbereitungen haben im Prinzip schon während der diesjährigen Veranstaltung begonnen, denn wir haben wieder einiges dazugelernt und auch gute Gespräche geführt.“

Am kommenden Wochenende startet die komplette Eisspeedway-Weltelite im deutschen Mekka des Eisspeedways, in der Max-Aicher-Arena in Inzell. Nach acht Grand-Prix-Rennen wird im Berchtesgadener Land am Samstag (17.00 Uhr) und Sonntag (14.00 Uhr) der Mannschafts-Weltmeister ermittelt. Neben Titelverteidiger Russland ist natürlich auch das Gastgeber-Team mit Günther Bauer, Max Niedermaier und Hans Weber am Start.

Text: Thorsten Horn/ts