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60 Jahre Kartsport in Deutschland

Der KKCD, Klassik Kart Club Deutschland im KCD 90, hat es sich zur Aufgabe gemacht den Kartsport als technisches Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten. In diesem Jahr feiert der Kartsport in Deutschland sein 60 jähriges Jubiläum. Dazu ein kleiner Exkurs in die Anfänge des Kartsports in unserem Land.

Nachdem der Ingenieur Art Ingels im Jahre 1956 das Go Kart oder besser Kart „erfunden“ hatte, dauerte es weitere 4 Jahre bis die Bewegung und das Bewegen der von Rasenmähermotoren befeuerten Rohrrahmenrenner auch nach Deutschland kam. Vermutlich waren es hier stationierte GI s, die das Kartfahren zuerst rund um die US Kasernen betrieben.

 

Das Ur-Kart, von Art Ingels aus den USA, feierlich 2017 von Peter de Bruijn  im Niederländischen OoS ausgestellt.

 

So etwas wie die Keimzelle war die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, dort wurde am 24.April 1960 das erste offizielle Kartrennen in Deutschland ausgetragen. Dort wurde auch im Februar desselben Jahres der Gokart Club Deutschland gegründet. Dessen Nachfolger der KCD 90 sich heute, und damit schließt sich der Kreis auch um den Erhalt der klassischen Karts kümmert. Der erste „Große Preis von Deutschland für Go-Karts“ fand dann in der Berliner Deutschlandhalle statt. Heute unvorstellbar fuhr man doch ausschließlich mit Zweitaktmotoren. Sieger wurde Willi Schetter, der ein Kart mit Stihl Motor fuhr. Die Stihl Kettensägenmotoren waren Anfangs das Maß der Dinge, es wurden aber auch Motoren, von den damals noch häufig anzutreffenden Stationär- und Moped oder Motorradmotorenherstellern, wie ILO, Sachs aus Deutschland oder Mc Culloch aus den USA eingesetzt.

Damals waren die Zweitakter in diesen Segmenten mit 100 oder 200 Kubikzentimetern das Maß der Dinge und Viertakt oder gar Elektromotoren ohne Bedeutung. Die Klasseneinteilung sah auch diese beiden Hubraumklassen, nämlich 100 und 200 Kubikzentimeter als Regel vor. Das war auch deshalb so populär, da anfangs die Motoren mit um die 6 PS, kraftraubenden Fliehkraftkupplungen und rustikalen Rahmengestellen auch nicht an die Performance der heutigen Karts herankamen. So konnte man mit 2 Motoren je 100 ccm mal eben die Leistung verdoppeln, die bar einer elektronischen Regelung ausgerüsteten Motoren, waren dann natürlich recht spektakulär und zogen auch den Fahrernachwuchs an.

Rahmenseitig wurden Stahlrohre oder Winkeleisen verwendet, es gab nur grobe Regeln für die Dimensionen wie Radstand und Spur. Auch gab es wenige Hersteller und vieles wurde empirisch von den Kartenthusiasten im Selbstversuch gebaut. Bekannte Fahrgestelle der ersten Stunde waren unter anderem Koch aus Bad Oldesloe (Hako), Hess aus Wixhausen, Aucas aus Stuttgart und Ihle aus Bruchsal. Es gab aber auch arrivierte Firmen wie Hercules oder Maico oder König aus Berlin die mit der Nähe zum Motorrad einen Markt sahen.

Die Motoren saßen noch hinter dem Fahrer, Lenkräder wurden oft aus Kleinmobilen, z.B. Goggomobil verwendet. Als Reifen wurden Sackkarrenreifen benutzt, die natürlich nicht für hohe Seitenkräfte und Momente ausgelegt waren. Zur Gemischaufbereitung wurden die aus den Kettensägen und Rasenmähern bekannten lageunabhängigen Membranvergaser verwendet. Interessant ist auch, dass es noch keine echten Sitzschalen gab und die Fahrer sehr spektakulär in die Kurven hängen mussten und der Seitenhalt begrenzt war. Wie bei jedem Wettbewerb wurde die technische Entwicklung auch beim Kartsport rasant angestoßen, so sind heute die Karts als Einstieg in den Autosport unabdingbar geworden und die Geschwindigkeiten und Rundenzeiten die mit den „putzigen Wägelchen“ erreicht werden, sind auf höchstem Niveau und meilenweit von den Anfängen entfernt, aber das ist eine andere Geschichte.

 

So sah das früher aus, Ein Mc Culloch, Mc Culloch Kart mit 100 Kubik gefolgt von einem Hako Kart mit doppeltem Ilo Motor und 200 Kubikzentimetern, am Steuer Gernot Stöcker und Marc Heiming, lassen die „Kühe“ ordentlich fliegen. ( Dahlemer Binz)

Man beachte auch noch die typische Fahrhaltung und den Motor hinter dem Sitz.

 

Heute kann man die alten Schätze der Urzeit noch oder wieder in Aktion sehen, der Klassik Kart Club im KCD 90 hat sich der Pflege und dem Erhalt dieser Fahrzeuge verschrieben und neben noch im „Scheunenfund-Zustand“ befindlichen gibt es auch eine Reihe von perfekt restaurierten Fahrzeugen die bei Klassik Kart Veranstaltungen wie dem Klassik Kart Pokal live und artgerecht bewegt werden. Mein Dank gilt an dieser Stelle besonders Botho G. Wagner, aus dessen Buch Geschichte des Kartsports die wesentlichen Fakten zitiert wurden und der als Mister Kartsport seit der ersten Stunde dabei ist, 1972 Vize Europameister war, unzählige Kartsport Artikel geschrieben hat, als Streckenspreche bei Kartrennen immer noch aktiv ist  und auch heute noch dem Kartsport treu verbunden ist, veranstaltet er doch jedes Jahr die internationale Kartmesse in Offenbach.

Wie ging es weiter? Im Jahre 1961 kam die Starrachse auf, nachdem es Anfangs noch einzeln angetriebene Räder gab. Aus den USA kamen die ersten Karts mit Scheibenbremse, Hercules aus Nürnberg begann mit dem Kartbau, die Fa. König nannte 9PS für Ihren Motor. Die Meisterschaft ging an Willi Schetter auf Evans Siehl vor Werner Ihle auf Ihle Mc Culloch und Werner Gausch auf Aucas Stihl. Im Jahr 1962 wurde in Paris die CIK, die internationale Sportbehörde für den Kartsport gegründet. Aus Italien kam das Italkart und aus Frankreich das stark vom Flugzeugbau inspirierte Lepine. Das Lepine wog ganze 25 kg mitsamt Motor.

Aus Italien kamen die ersten Drehschieber Motoren von Saetta, Komet und Parilla, die mit ihren 11 PS den Weg in die Zukunft weisen, Maico, Stihl und Mc Culloch brachten modifizierte oder neue Motoren, aber die Italiener machten letztlich das Rennen. Den ersten ONS Pokal gewann Werner Ihle ( Ihle /Mc Culloch) vor Erich Görgen (Mc Culloch/McCulloch) und Willi Schetter(Lepine/Stihl). Es gab die ersten Europaweiten Meisterschaften, den Europapokal für Mannschaften, den England vor Belgien, Frankreich Italien und Deutschland gewann.

 

Fast wie vor 40 Jahren, Die Bahn in Gerolthofen hat ihren Charme bewahrt, die Helme sind neu aber die Fahren noch die alten, es geigen auf die Herren, Thomas Kracht, Thomas Franz sowie Roberto und Elio Cociarelli.

 

Speziell in Deutschland waren am Anfang auch deutsche Motoren von Stihl oder Ilo in den Siegerlisten zu finden, aber der Kartsport entwickelte sich schnell aus der Hobby und Spielzeugecke zum echten Motorsport und als ideale Einstiegsmöglichkeit für die zukünftigen Grand Prix Sieger. War Emerson Fittipaldi aus Brasilien noch einer der ersten Weltmeister, der auch im Kart begann, so war Damon Hill 1996 der letzte Weltmeister der nicht im Kartsport seine Karriere begann. Im Zuge der Professionalisierung kamen speziell aus Italien die heute noch maßgebenden Impulse, so kamen hochdrehende Drehschiebermotoren von Parilla oder Komet mit immer höheren Leistungen zum Einsatz, die die ursprünglich für Kettensägen und Rasenmäher entwickelten Muster überflügelten.

Bei den Fahrgestellen war es Tecno aus Italien die 1965 den heute noch im Grundsatz verwendeten Rahmen entwickelten, Dabei ist der Rahmen in der Mitte eingeschnürt und der Motor sitzt neben dem Fahrer, So sitzt dieser leicht versetzt aber in flacherer Sitzposition. Und die luftgekühlen Motoren sitzen im Fahrtwind und sparen sich das kräftezehrende Gebläse. Da bewegliche Federelemente im Kartsport verboten sind muss der Rahmen die Aufgabe übernehmen und die Achsgeometrie ergibt sich aus der Position von Achsschenkeln und Hinterachslagern, eine meist empirische Wissenschaft, bei der es auch auf ein gutes Gefühl ankommt.

Die Italienischen Motoren, hauptsächlich von Parilla, Komet und BM wurden durch Auspuffbirnen und optimierte Spülkanäle immer leistungsstärker und so zogen sich nach und nach Mc Culloch und auch Stihl aus der Entwicklung zurück. Mitte der Sechziger Jahre wurden in Deutschland einige Kartstrecken neu gebaut, so u.a. Oppenrod bei Giessen, Liedolsheim bei Bruchsal, und Horrem, Kerpen bei Köln, auf diesen Bahnen wird auch heute noch gerannt. Mit Taifun aus München trat eine neue deutsche Marke auf die Bildfläche, die auch international für Furore sorgen sollte. Der Siegeszug der italienischen Fahrgestelle und Motoren sollte sich aber fortsetzen, Namen wie Kali und Birel trugen sich in die Siegerlisten ein, bei den Fahrern aus Deutschland waren es die Ihle Brüder aus Bruchsal oder der junge aufstrebende spätere Europameister Hans Heyer, der dann im Autosport auch zu großen Erfolgen fahren sollte.

Zum Ende der Sechzigerjahre trat mit den Stuttgarter Brüdern Lothar und Wilhelm Hetschel ein weiterer Hersteller auf den Plan, das mittlerweile in der zweiten Generation von Martin Hetschel geführte Unternehmen In Brackenheim trat mit pfiffigen und schwäbisch cleveren Ideen in den Markt und ist auch heute noch ein führender internationaler Karthersteller. In den Spitzenzeiten wurden auch eigene Motoren hergestellt und homologiert.

Bei den Fahrern waren es Namen wie Hans Heyer, Helmut Brandhofer, Jörg Obermoser und Norbert Brückner um nur einige zu nennen. Soweit ein kurzer Abriss zu den Anfängen des Kartsports in Deutschland.

Für dieses Jahr waren viele Veranstaltungen nebst einer ca. 6 Veranstaltung umfassenden Meisterschaft geplant, die im Gleichmäßigkeitsformat ausgetragen wird, um das wertvolle und teilweise unersetzbare Material zu schonen.  Auch die Jubiläumsveranstaltung wurde abgesagt, es konnten in diesem Jahr leider nur die Läufe in Liedolsheim und Gerolzhofen ausgetragen werden. Dominiert wurden die Läufe von Thomas Kracht der das Tableau auch anführt, gefolgt von Andreas Kohler, Thomas Reim, Gerhard Raab, Josh Hessenauerund Valentijn Minderhoud.

 

KKCD Lauf in Liedolsheim, von rechts Thomas Reim, Thomas Franz und Thomas Kracht, Gerhard Raab und Andreas Kohler

 

Nach jetzigem Stand gibt es nur eine inoffizielle Meisterschaft. Wir möchten uns trotzdem bei allen Veranstaltern und Unterstützern bedanken, die sich unablässig bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen eingesetzt haben und leider manchmal erst kurzfristig ändern oder absagen mussten.

Wir hoffen, dass dieser Sportsgeist erhalten bleibt, blicken nach vorn und hoffen bald wieder unsere geliebten Karts auf der Bahn bewegen zu können und den Zuschauern einen Überblick auf die rasante Entwicklung dieser rasanten Vehikel geben zu können.

 

Text: Ko, 11-2020

Bilder: KKCD, Pietzsch, Roth

 


Veröffentlicht am: 19.11.2020 | Kategorie: News Kart | Zugriffe: 327
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