Alltagssportler: 50 Jahre Ford Capri

Ford präsentierte im Januar 1969 den Capri auf dem Brüsseler Automobilsalon und stellte ihn im gleichen Monat der deutschen Fachpresse vor. Ab Februar 1969 stand der Alltagssportwagen für Jedermann bei den deutschen Ford-Händlern und verkaufte sich wie geschnitten Brot. Bis 1986 entstanden von allen drei Baureihen etwa 1,9 Millionen Stück. Auch im Motorsport war das Coupé überaus erfolgreich…

 

 Ford Capri I (1969 bis 1973)

Ursprünglich hätte der Capri übrigens Colt heißen sollen. Aber wie sich herausstellte, führte bereits ein fernöstlicher Hersteller diesen Namen in seinem Modellportfolio. Die Form des Capri zeichnete der amerikanische Designer Philip T. Clark, Schöpfer des Ford Mustang. Er gilt auch als eigentlicher Ideengeber für den „kleinen“ Mustang mit europäischen Dimensionen. Nach Marktforschungen zielten die Modellplaner auf eine junge Käufergruppe zwischen 18 bis 29 Jahren ab. Die Marketingexperten vergaßen aber nicht, auch ältere Jahrgänge hinter das Lenkrad des Sportcoupés zu locken. Daher betonte die Werbung auch dessen Familientauglichkeit und Nutzwert. Zur Markteinführung gab es fünf Modellvarianten vom 1300 bis 2300 GT; im Bild unten ist der 1700 GT abgebildet.

 

Im Herbst 1969 lancierte Ford eine „Hochleistungsversion“ des 2300 GT, die mit scharfer Nockenwelle, Doppelrohrauspuff und Modifikationen an Zündung und Vergaser satte 125 PS servierte – ein ziemlich heißer Ofen, der im prestigeträchtigen Sprint beachtliche 9,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h vorweisen konnte. Bereits 1973, im letzten Produktionsjahr der ersten Generation, rollte der einmillionste Capri vom Band.

Enthusiasten, Fans und Motorsportfreunde schätzen bis heute den Ende 1970 vorgestellten 2600 RS (Bild unten) – das bis dato sportlichste Modell der Marke. Für 15.800 DM erhielten sportlich ambitionierte Fahrer ein Auto mit sechs Zylindern, Kugelfischer-Einspritzung, tiefergesetztem Sportfahrwerk und 150 munteren Pferden unter der mattschwarzen Motorhaube. Die Homologationsauflage von 1.000 Einheiten, kräftig nachgeschärft mit Leichtbauzutaten wie Magnesiumfelgen, Plexiglasscheiben und Kunststofftüren, legte dann den Grundstein für die bald folgende Rennsportkarriere.

 

Ford Capri II (1974 bis 1977)

Der Capri II debütierte 1974 mit einer „sachlicheren“ Form: großflächige, in die Karosserielinie einbezogene Rechteck-Scheinwerfer samt integrierten Blinkleuchten sowie glatten Oberflächen und eine geradlinig durchgezogenen Stoßstange. Schlanke und weit nach hinten gezogene Seitenfenster streckten zudem den Aufbau und ließen ihn graziler wirken, während hübsche Details wie die kleine Erhebung auf der Motorhaube oder ein schwarzer Frontgrill sportlichen Akzente setzten. Eine lange Motorhaube, niedrige Dach- und Gürtellinien und knackig-kurzes Hinterteil – das waren auch Kennzeichen des Capri II. Ford-Chefdesigner Uwe Bahnsen hatte ganze Arbeit geleistet, das Werk seines Vorgängers mit Know-how und Fingerspitzengefühl weiterentwickelt. 

Technisch hatte der Capri II ebenfalls nachgelegt, so gab es etwa optional ein Automatikgetriebe. Die Motorenpalette entsprach weitgehend der ersten Capri-Generation. Die Bandbreite reichte vom 1,3-Liter, dem 1,6-Liter-Allrounder bis zu den Sechszylinder-Modellen: dem 108 PS starken 2,3-Liter und dem Drei-Liter-„Essex“-Motor mit 138 PS. Der 2600 Liter wurde hingegen aus dem Programm genommen. Im Mai 1976 ordnete das Unternehmen die Capri II-Modellpalette grundlegend neu. Außer Modifikationen an der Ausstattungsstruktur und bei Innenraumdetails ersetzte nun ein 2,0-Liter-V6-Motor mit 90 PS den etwas schwächere 1,6-Liter.

Als Ersatz für die bisherige GT-Variante brachte Ford im Mai 1976 den Capri S ins Spiel: 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden und Spitze 198 km/h, so lauten die nackten Zahlen. Der Capri S war daher wie gemacht für Spezial-Editionen und Tuning. So legte Ford 1975 etwa die limitierte, von Fans kurz „JPS“ genannte Sonderserie „John Player Special“ auf, die im Stil der damaligen Lotus Formel-1-Boliden ganz in Schwarz und Gold gehalten war.

 

Capri II ´78, später allgemein Capri III (1978 bis 1986)

Ford präsentierte 1978 die dritte und letzte Modell-Generation des Coupés. Die neu gestaltete Bugpartie mit Halogen-Doppelscheinwerfern und einem Fronthauben-Überhang mit integriertem Spoiler dienten der Aerodynamik. Wie der Versperrungs-Lamellenkühlergrill war diese Technologie von der Studie „Modular Aerodynamic“ mit „Droop-Snout“-Front abgeleitet worden, die Ford als Vorboten des Capri III auf dem Genfer Automobilsalon 1976 präsentiert hatte. Neu war auch die bis an die Radauschnitte herangeführte Stoßstange. 

Der 1,3-Liter-Basismotor fiel der sportlichen Ausrichtung des Capri III zum Opfer. Das gestraffte Motorenprogramm umfasste nun zwei 1,6-Liter-Reihenvierzylinder sowie drei V6-Triebwerke mit 2,0, 2,3 und 3,0 Litern Hubraum von 68 bis 138 PS. Weitere Änderungen zum Modelljahr 1979 konzentrierten sich auf technischen Feinschliff an der Antriebspalette, wobei die Zwei- und Drei-Liter-Sechszylinder auf mehr Wirtschaftlichkeit und Leistung getrimmt wurden.

1981 debütierte Capri 2,8 Injection, den das Team „Special Vehicle Engineering“ entwickelt hatte. Der Einspritzer ersetzte die Drei-Liter-Version und wurde von den Marketing-Experten als Erbe des legendären 2600 RS positioniert. Der neue 2,8-Liter-V6-Einspritzer leistete stramme 160 PS: Das reichte für 210 km/h Spitze und eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in gut acht Sekunden. Mit ihm konnte man sich auf dem Sportfahrer-Parkett blicken lassen. Auch Design- und Ausstattungsdetails wie ein Spoilersatz, markante Zierstreifen und ein entsprechend akzentuiertes Interieur unterstrichen die Sportlichkeit des Topmodells. 1981 legte Ford noch nach: Der Capri Turbo mit einer limitierten Stückzahl von 200 Exemplaren leistete dank KKK-Turbolader stolze 188 PS und lief 215 km/h Spitze. Auf Wunsch war ein Sperrdifferenzial lieferbar.

 

Der Capri im Motorsport

Ursprung der Motorsportkarriere des Capri war das im Jahre 1970 präsentierte Straßenmodell RS 2600. 1971 beteiligte sich Ford werksseitig mit zwei Fahrzeugen an der Tourenwagen-Europameisterschaft und mit einem Exemplar an der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft. Auf internationaler Bühne holte Dieter Glemser den Titel, im deutschen Wettbewerb fuhr Jochen Maas mit dem Maximalergebnis von acht Siegen in acht Läufen den Gesamtsieg ein.

Auch 1972 dominierten die Ford Capri fast überall nach Belieben und vergrößerten ihre Erfolgsbilanz um die Deutsche Automobil-Rennsportmeisterschaft (Hans-Joachim Stuck), die Europa-Tourenwagen-Meisterschaft (Jochen Maas), die Plätze eins und zwei beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans und einen Dreifachsieg beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa-Francorchamps.

1978 begann in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft die Erfolgsserie des 400 PS starken Capri Turbo. 1979 folgten vier Siegen in der Klasse bis zwei Liter Hubraum. 1980 nahm der etwa 580 PS starke „Super Capri“ in der Klasse über zwei Liter Hubraum selbst die dominanten Porsche 935 ins Visier. Mit fünf Siegen avancierte Klaus Ludwig zum erfolgreichsten Fahrer der Meisterschaft, auch wenn er aufgrund von Regelstreitigkeiten den Meistertitel verpasste. Auch Walter Röhrl begann seine überaus erfolgreiche Rallye-Karriere auf einem Ford Capri.

1981 war ebenfalls eine gute Saison für den Capri aber auch die letzte, denn der Nachfolger C100 lief sich bereits warm. Mit zehn Siegen in dreizehn Läufen holte Klaus Ludwig in seinem Turbo-Capri in der kleinen Division die Meisterschaft. Und Manfred Winkelhock gewann in der großen Klasse sechs mal. Chapeau!

Text und Fotos: Ford-Werke GmbH 

 


Veröffentlicht am: 20.02.2019 | Kategorie: News Automobilsport | Zugriffe: 10487
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