Mobilität: Regelmäßiger Cannabiskonsum erhöht das Unfallrisiko

Neben Fahren unter dem Einfluss von Alkohol gehört auch der Konsum von Drogen wie Cannabis zu den großen Risiken im Straßenverkehr. Das Problem: Die Cannabispflanze und damit auch die Cannabisprodukte beinhalten den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der psychoaktiv auf das gesamte zentrale Nervensystem wirkt und somit sämtliche menschlichen Sinne beeinflusst. „Das darf keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden“, sagt Dr. Thomas Wagner, Fachbereichsleiter der amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung bei DEKRA. „Denn Konsumenten von Cannabisprodukten, die nach Aufnahme dieser psychoaktiven Substanz ein Kraftfahrzeug führen, gefährden zum einen die Verkehrssicherheit und begründen zum anderen auch Zweifel an ihrer Fahreignung.“ Dies gelte erst recht beim häufigen oder regelmäßigen Konsum der vermeintlichen „Lifestyle-Droge“.

  • Erstkontakt mit so genannten „Lifestyle-Drogen“ oft schon in jungen Jahren
  • Beeinträchtigung der Leistungsbereitschaft und der Leistungsfähigkeit
  • THC-Grenzwert im Straßenverkehr sollte in Deutschland unverändert bleiben

Die Zahlen des Drogen- und Suchtberichts des Bundesministeriums für Gesundheit lassen aufhorchen: Danach haben in Deutschland zehn Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, 42,5 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren und rund 28 Prozent der Erwachsenen bis zum Alter von 64 Jahren in ihrem Leben schon Cannabis konsumiert. 1,6 Prozent der Jugendlichen und 6,9 Prozent der jungen Erwachsenen tun dies sogar regelmäßig. Wie diverse Studien zeigen, liegt die Hochrisikozeit für den Erstgebrauch zwischen 16 und 18 Jahren.

Neben reduzierten Bildungschancen und Gefahren für die eigene Gesundheit ist mit dem Cannabiskonsum auch ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr verbunden. „Das Ausmaß des Cannabiskonsums steht dabei in engem Zusammenhang mit dem Fahren unter Substanzeinfluss und riskantem Fahrverhalten“, gibt Dr. Thomas Wagner zu bedenken. Anfällig hierfür seien zum Beispiel Menschen, die auf der Suche nach Grenzerfahrungen sind, über geringe Selbstkontrollfähigkeiten verfügen oder eine risikoaffine Persönlichkeitsstruktur aufweisen.

„Die Folgen eines häufigen, regelmäßigen und insbesondere chronischen Cannabiskonsums sind vielschichtig und können sowohl Komponenten der Leistungsbereitschaft als auch der Leistungsfähigkeit beinhalten“, betont der DEKRA Experte und verweist unter anderem auf eigene Forschungsergebnisse und Studien, die er gemeinsam mit Professor Dieter Müller vom Institut für Verkehrsrecht und Verkehrsverhalten in Bad Dürrenberg für einen aktuellen Beitrag zum Thema Cannabis im Straßenverkehr in der Zeitschrift für Verkehrssicherheit zusammengetragen und ausgewertet hat.

„Beeinträchtigt sein können all jene kognitiven Prozesse, die für das sichere Autofahren wichtig sind“, führt Dr. Wagner aus. Also Konzentration, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen, Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis, Psychomotorik sowie Zeit- und Raumwahrnehmung. Im Bereich der Leistungsbereitschaft sei bereits seit Langem das so genannte „Amotivationssyndrom“ bei Dauerkonsumenten bekannt. Dieses zeigt sich durch Apathie sowie durch Antriebs-, Motivations- und Interessenverlust und beeinträchtigt die sichere Ausführung der Fahraufgabe.
 

Auswirkungen auf die Fahrsicherheit
Nach Cannabiskonsum beobachtete Fahrunsicherheiten betreffen vor allem das Spurhalten, die Regulierung der Fahrgeschwindigkeit sowie den Umgang mit Vorrangregelungen an Ampeln oder Kreuzungen. Speziell bei jungen Autofahrenden sind im Zusammenhang mit dem Konsum von Cannabis Auffälligkeiten wie langsameres Fahren, häufigere Mittellinienüberquerungen mit vermehrt abrupten Lenkradbewegungen und verlängerte Reaktionszeiten festzustellen.

Was Deutschland anbelangt, liegen bisher zwar keine amtlichen Statistiken über Unfallzahlen, Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Cannabis vor. Allerdings hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts die Zahl der Unfälle mit Personenschäden, die auf den Einfluss berauschender Mittel (außer Alkohol) zurückzuführen sind, zwischen 1975 und 2020 mehr als versiebenfacht – von 323 auf 2.366. Auf Männer entfielen dabei mit 2.110 fast 90 Prozent dieser Unfälle. Epidemiologische Studien aus anderen Ländern zeigen übereinstimmend ein erhöhtes Unfallrisiko mit Körperverletzungen um den Faktor 1,26 bis 2,66 sowie ein erhöhtes Risiko für tödliche Unfälle um den Faktor 1,31 bis 2,10 für Fahrer nach Aufnahme von Cannabisprodukten.

„Daher gibt es durchaus gute Gründe für die Festsetzung eines Grenzwerts für THC, der eine zuverlässige Identifikation von Risikoträgern im Straßenverkehr ermöglicht“, sagt Dr. Thomas Wagner. In Deutschland liege dieser Wert bei 1,0 Nanogramm pro Milliliter Blutserum und markiere aktuell sowohl den Grenzwert für eine Ordnungswidrigkeit als auch die Indikation für abklärungsbedürftige Zweifel an der Kraftfahreignung, da eine Beeinträchtigung der Fahrsicherheit nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden könne. Von einmaligen, sporadischen oder seltenen Cannabiskonsumenten gehe dagegen keine erhöhte Gefahr für die Verkehrssicherheit aus.

Text und Foto: DEKRA


Veröffentlicht am: 12.08.2022 | Kategorie: News | Zugriffe: 731
Dieser Newsbeitrag wurde verfasst von:

DMV Redaktion

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