57. SEVentilation DMV Thüringen Rallye: Sensationssieg für René Noller

Das Comeback der DMV-Thüringen-Rallye endet mit einer Sensation: Der 19-jährige René Noller fährt im Opel Corsa Rally4 allen Boliden im einstigen „Porsche-Land“ davon.

Zwanzig Mal zählte die Thüringen-Rallye zur Deutschen Rallye Meisterschaft (DRM) oder Deutschen Rallye Serie (DRS). In der Ehrentafel steht Matthias Kahle siebenmal, Ruben Zeltner fünfmal und die Moufang-Brüder Markus und Norbert zusammen siebenmal ganz oben und sie ist gefüllt von turbogeladenen R5- und S2000-Boliden, allradgetrieben WRC und leistungsstarken Porsche GT3.

Doch bei der Neuauflage am vergangenen Samstag – ist alles etwas anders. Nach sechs Wertungsprüfungen über 64,36 Kilometer auf den schnellen und welligen Asphaltpisten rund um Pößneck stand keiner der absoluten Favoriten ganz oben auf dem Podest.

Seit dem 5. August 2017 herrschte Ruhe in der ostthüringischen Kleinstadt Pößneck. Am Wochenende erlebt die Thüringen-Rallye ihr Comeback als Rallye 70 – und es verläuft erfolgreich.

Der DRM-Standard ist in der Organisation überall zu spüren, die Strecken sind schnell und anspruchsvoll wie kaum anderswo, das Wetter ist spätsommerlich heiß, und die Pokalübergabe im Ziel geht pünktlich über die Bühne. Von den Fahrern gibt es viel Lob für den Veranstalter, gepaart mit tiefem Respekt vor den außergewöhnlichen Strecken. 72 Teams sind am Mittag durch den Startbogen gerollt, 49 stehen abends im Parc Fermé.

Zum Auftakt wird Carsten Mohe seiner Favoritenrolle gerecht und setzt auf der WP 1 über 13,4 km auf Asphalt – gespickt mit 5 Ortsdurchfahrten, einigen High-Speed-Abschnitten, vor allem aber vielen Passagen mit mittelschnellen bis schnellen Kurvenkombinationen, oftmals blind zu fahren wegen Kuppen oder dichter Busch-Reihen – klar die Bestzeit. Doch schon auf dem zweiten Platz taucht René Noller auf im kleinen Corsa mit 1200-cm³-Turbomotor, der rund 210 PS leistet.

Doch im Rallyesport sollte man niemals sagen, der Sieger stünde schon im Vorhinein fest. Bereits auf der 2. von 6 Wertungsprüfungen wird Favorit Mohe mit der Startnummer 1 jäh gestoppt. Nach einer harmlos aussehenden schnellen Rechts-Links-Kurvenkombination kommt er aufs Bankett und überschlägt sich heftig; Carsten Mohe und Co Alexander Hirsch bleiben unverletzt, aber der Fabia Rally2 sieht böse aus. Nur 20 Minuten später erwischt es an der identischen Stelle das Team Schüßler/Schüßler mit ihrem Opel Adam R2.

René Noller erzielt auf dieser kurzen Prüfung, die nach dem langjährigen Rallye-Chef Harald Neumann benannt ist, seine erste Bestzeit und übernimmt die Führung! Als WP 3 folgt der Klassiker „Bankschenke“, ein Landstraßen-Rundkurs von knapp 14 km, auf dem viele PS auch viel helfen. Insofern überrascht die Bestzeit von Rudi Reindl im Mitsubishi Lancer Evo 9 nicht, knapp zwei Sekunden vor Mühl im BMW M3. Doch selbst auf dieser Power-Strecke schiebt sich Noller mit dem Corsa noch dazwischen und erreicht als Führender die Halbzeitpause in Pößneck.

Frische Reifen und getankten Kraftstoff gibt es im Zentrum des Rallyegeschehens in Pößneck.
Wer auf der WP 4, auf dem 13-km-Sprint von Zickra nach Löhma, einen Konter der Mitsubishi und BMW erwartet, liegt daneben: Die Schwaben-Junioren schlagen doppelt zu. René Noller setzt seine zweite Bestzeit, der 24-jährige Tom Kässer im Honda Civic R aus Winnenden folgt dichtauf.

Auch die Bestzeit auf WP 5 geht auf Nollers Konto. Im zweiten Durchgang des schnellen Rundkurses Bankschenke muss sich Noller mit nur einer einzigen Zehntel Rückstand dem BMW M3-Piloten Mühl geschlagen geben. Gegen 18 Uhr zur Zielankunft am Pößnecker Rallyezentrum ist die Sensation perfekt:
Der Youngster René Noller mit Co-Pilotin Anne Katharina Stein gewinnt die 57. Ausgabe der SEVentilation DMV Thüringen Rallye mit rund 17 Sekunden Vorsprung vor dem Team Mühl/Bendig auf BMW M3 und Bieg/Nemenich auf Mitsubishi Lancer Evo 9.

Das ist ein großartiger Erfolg für den erst 19-Jährigen Nachwuchsfahrer. Mit knapp 100 PS weniger als die Konkurrenz und 1200 ccm Hubraum im frontangetrieben Opel Corsa Rally4 eine solch anspruchsvolle Rallye, mit schnellen Asphaltprüfungen und hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten zu gewinnen, zeigt wie steil die Lernkurve von René Noller in den vergangenen 2 Jahren seit Beginn seiner fahrerischen Rallye-Laufbahn nach oben gegangen ist. Im Alter von 17 Jahren und 11 Tagen war er bei der ADAC Rallye Stemweder Berg 2019 der jüngste Teilnehmer in der Historie der Deutschen Rallye-Meisterschaft und nun feiert er, bei der 57. Thüringen Rallye, seinen ersten Gesamtsieg. Im Ziel sagt sein Vater Rainer Noller und mit insg. 126 Rallye-Gesamtsiegen (126) einer der erfolgreichsten deutschen Rallyefahrer aller Zeiten: „Ich bin stolz und überglücklich – glücklicher als wenn ich selbst gewonnen hätte.“ Klar bekommt er bei der Sektdusche unter dem Zielbogen in Pößneck auch eine gehörige Ladung ab.

Beachtlich ist auch die Leistung des zweiten schnellen Schwaben Tom Kässer mit Co-Pilot Stephan Schneeweiß und ihrem Honda Civic R, der in der mit 14 Fahrzeugen am stärksten besetzten Klasse NC3 mit über einer Minute Vorsprung den Klassensieg und einen beeindruckenden 4. Gesamtrang einfährt.

Ron Schumann und Claudia Harloff haben kurzerhand einen BMW M3 aus Holland angemietet; an die Handschaltung muss sich Schumann erst mühsam gewöhnen, immerhin reicht es zum Klassensieg NC2 und den 11. Platz gesamt auf einem gänzlich unbekannten Rallyewagen.

Als bestes Team des gastgebenden MSC Pößneck e.V. im DMV kommen René Sebesta/Doreen Zemanik (aus Ranis) mit ihrem Cup Opel Adam ins Ziel, die am Ende den Pokal für den Klassensieg in der Klasse RC5 in den Händen halten und mit nur 140 PS unter der Haube auf Platz 16 im Gesamtergebnis stolz sein können.

In der 1600-cm³-Klasse NC4 setzen sich Lars Meyer und Jan Franke im Polo gegen ihre Clubkameraden und Markengefährten Andreas Schramm und Andrea Selzer durch. Maik Knorn und Mandy Seidel gewinnen die Trabant-Klasse NC5 und lassen dabei noch sechs Autos aus größeren Klassen hinter sich. Die Gruppe G haben Reinhard Honke und Philipp Hutzler im BMW 140ix voll im Griff, die schwächere G-Klasse sieht den Golf von Michael Mathes und Julius Emmert vorn.

Für Oliver Bliss, der als Führender des HJS DMSB Rallye Cup nach Thüringen anreiste, verlief die Veranstaltung nicht ganz nach Plan: „Direkt nach dem Start ist unsere Gegensprechanlage ausgefallen. Auf diesen anspruchsvollen und sehr schnellen Prüfungen reichen dann die Handzeichen deines Co-Piloten nicht aus. Ich musste sehr viele Passagen auf Sicht fahren, das hat uns auf den ersten drei Prüfungen sicherlich gut 30 Sekunden gekostet“, berichtet Bliss. In der Pause konnte die Anlage im Mitsubishi Lancer Evo 6 ausgetauscht werden, aber der Zug an die Spitze war natürlich bereits abgefahren. „Wir haben in der zweiten Schleife nicht mehr alles riskiert, unser Ziel war nur noch, den dritten Platz in der Klasse NC1 hinter Mühl und Bieg zu sichern.“ Mit den so geretteten Punkten konnte Bliss die Cup-Führung in der HJS DRC verteidigen, versprach aber, „wir kommen wieder nach Thüringen, hier haben wir noch eine Rechnung offen.“
Durch seinen Gesamtsieg bei der Thüringen Rallye liegt René Noller nun lediglich 1,38 Zähler hinter Bliss in der aktuellen Gesamtwertung der HJS DRC Region Süd.

Als erste Tabellenführer in der ADMV-Rallye-Meisterschaft verlassen Bernd Knüpfer und Daniel Herzig die Thüringen Rallye. Die ADMV-Meisterschaft wird bei der Rallye Bad Schmiedeberg in zwei Wochen fortgesetzt; dort können die Zuschauer zudem den späten Saisonstart des Schotter-Cups erleben.

Die 57. Ausgabe der Thüringen Rallye sorgte für spannende Duelle, ganz neue Sieger und einige Überraschungen. Durch die Wahl von neuen Partnern, teils neuen Strecken und eines neuen, komprimierten Veranstaltungskonzeptes bei gewohnt professioneller Organisation, konnte das junge Orga-Team des MSC Pößneck e.V. die Rückkehr auf die Straßen Ostthüringens und in den deutschen Rallye-Kalender schaffen.

Der MSC Pößneck e.V. im DMV bedankt sich bei all seinen zahlreichen Helfern und Unterstützern, Streckenposten und WP-Personal, bei allen Sponsoren, Anwohnern und Anrainern entlang der Wertungsprüfungen, angereisten Teams und Medienberichterstattern für die gemeinsame erfolgreiche Durchführung der Veranstaltung, trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen in dieser Zeit, und hofft auf deren Fortsetzung im kommenden Jahr. Besonderer Dank sei an dieser Stelle an alle Landwirte und Agrar-Genossenschaften der Region gerichtet für Ihr Verständnis und die aufgebrachte Geduld mitten in der Erntezeit. Die Terminfindung für eine zukünftige Ausgabe der Thüringen Rallye wird diesem Umstand Rechnung tragen.

Text: Alfred Gorny & Jenny Gäbler
Foto: Sascha Dörrenbächer


Veröffentlicht am: 17.08.2021 | Kategorie: News Rallyesport | Zugriffe: 594
Dieser Newsbeitrag wurde verfasst von:

DMV Redaktion

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